Depression und Angst – Ängste vor der OP sind oft Hinweis auf psychische Störungen

By | Januar 18, 2013

Ein operativer Eingriff bedeutet für viele Menschen eine starke psychische Belastung verbunden mit hohem emotionalen Stress.

Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Universitätsklinikums Leipzig konnten nun zeigen, dass diese Beschwerden oftmals keine vorübergehenden Sorgen hinsichtlich der bevorstehenden Operation sind, sondern häufig Hinweise auf klinisch bedeutsame und behandlungsbedürftige psychische Störungen darstellen.

Erhöhte psychische Belastung vor der Operation

Unbehandelte Depression, Ängste und Suchterkrankungen tragen zu operativen Komplikationen sowie zu einer schlechteren Genesung nach der Operation bei. Sie führen insgesamt zu einem ungünstigeren Krankheitsverlauf bis hin zu erhöhter Mortalität. Mehr als 30 Prozent der operativen Patienten leiden unter klinisch bedeutsamer Depressivität. Diese stellt einen wesentlichen Risikofaktor für eine längere Krankenhausverweildauer dar.

Die Forschergruppe um Henning Krampe, Psychologe an der Klinik für Anästhesiologie der Charité, Claudia Spies, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie der Charité, und Elmar Brähler, Leiter der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig, hat in ihrer Untersuchung zunächst erfasst, wie viele Patienten mit einer bevorstehenden Operation an psychotherapeutischen Gesprächen interessiert waren und inwieweit dieses Interesse mit der erhöhten psychischen Belastung vor der Operation in Zusammenhang stand. Schließlich untersuchten die Wissenschaftler, ob es im Verlauf von sechs Monaten nach dem chirurgischen Eingriff zu Veränderungen der psychischen Beschwerden kam.

Depression, Ängste und Suchterkrankungen

„Es ist auffallend, wie beharrlich Depressivität, Ängste, allgemeine psychische Beschwerden und Alkoholprobleme nach einem halben Jahr bei den Patienten mit Psychotherapieinteresse erhöht bleiben“ sagt Henning Krampe, Leiter des BRIA-Projektes (Brückenintervention in der Anästhesiologie) der Klinik für Anästhesiologie der Charité.

„Diese Stabilität der Belastung in den verschiedensten Bereichen psychischer Störungen legt die Schlussfolgerung nahe, dass es sich dabei nicht um vorübergehende Sorgen und Stress wegen der Operation, sondern um chronische psychische Beschwerden handelt, die eine psychotherapeutische Behandlung erforderlich machen“, so Krampe.

Mit BRIA haben die Forscher des interdisziplinären Projektes ein neues Therapie-Programm entwickelt, das mit einer kurzen computergestützten Fragebogen-Untersuchung vor der Operation und einer sofortigen Rückmeldung über die Ergebnisse der Befragung beginnt.

Ziel ist, psychische Beschwerden von operativen Patienten zu erkennen, diagnostisch zu bestimmen und wirksam zu behandeln. Langfristig soll dieser Ansatz zur Steigerung der gesamten Lebensqualität und zu einer verbesserten Genesung der organmedizinischen Krankheiten der Patienten beitragen.

 

 

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