Er prangerte Schwarzgeldgeschäfte an – Psychiater sehen Gustl Mollath sehr unterschiedlich

By | Dezember 12, 2012

 
Im Fall des Psychiatriepatienten Gustl Mollath widersprechen sich nach FOCUS-Informationen die Gutachten: Schon zwei Psychiater stuften ihn als nicht gemeingefährlich ein. Horst Seehofer mahnte, den Fall schnell zu überprüfen.
Der Garmischer Psychiater Friedrich Weinberger diagnostizierte bei dem 56-jährigen Mollath nach FOCUS-Informationen lediglich eine „reaktive Depression“. Der Straubinger Gutachter Hans Simmerl attestierte dem Nürnberger „eine auffällige Grundpersönlichkeit mit fanatisch-querulatorischen Zügen“. Beide halten ihn nicht für gemeingefährlich. Mollath sitzt seit fast sieben Jahrenin der forensischen Abteilung der Psychiatrie, weil er seine Frau misshandelt und Reifen zerstochen haben soll.

Das Unterbringungsgutachten hatte ihm ein „paranoides Gedankensystem“ bescheinigt und ihn als allgemeingefährlich eingestuft. Auch mehrere andere Gutachter schrieben Mollath diese Eigenschaft inzwischen zu. Gefährdet seien demnach nicht nur seine Ex-Frau, eine Vermögensverwalterin der früheren Hypo-Bank, und ihre Geschäftspartner, sondern auch „beliebige weitere Personen“. Mollath hatte die „größte Schwarzgeldverschiebung in die Schweiz“ angeprangert. Er ist der Meinung, deshalb „weggesperrt“ worden zu sein.

Unterbringung in der Psychiatrie noch gerechtfertigt?

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) mahnte in dem Fall des seit Jahren gegen seinen Willen in der Psychiatrie untergebrachten Mollath eine rasche Überprüfung an. Es müsse „so schnell wie möglich“ Klarheit geben, „ob die Unterbringung von Herrn Mollath in der Psychiatrie auch unter Berücksichtigung aller neuen Informationen gerechtfertigt ist“, sagte Seehofer der „Passauer Neuen Presse“ vom Samstag.

Der CSU-Vorsitzende verwahrte sich zugleich gegen den Vorwurf der Einmischung in die Justiz: „Wir setzen uns nicht anstelle des Gerichts. Freiheitsentzug und Aufhebung von Urteilen ist nur durch Gerichte möglich.“ Die Gerichte sollten nun selbst ihre Entscheidungen anhand der neuen Gegebenheiten überprüfen. Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) hatte sich dem Druck gebeugt und am Freitag angekündigt, den Fall Mollath aufgrund von Ungereimtheiten komplett neu aufrollen zu lassen. Sie veranlasste, dass ein Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt wird.

HVB-Papier gibt Mollath in manchen Punkten Recht

Anlass sind neue Hinweise auf mögliche Ungereimtheiten in dem Fall. Brisant ist er Fall, weil Mollath 2003 – nachdem er bereits angeklagt war – seine Frau, weitere HVB-Mitarbeiter und 24 Kunden beschuldigte, in Schwarzgeldgeschäfte verwickelt zu sein. Während die Nürnberger Staatsanwaltschaft keine Ermittlungen einleitete, hat ein vor kurzem bekanntgewordenes HVB-Papier manche Vorwürfe Mollaths bestätigt.

URL der Quelle: 
 
www.focus.de/politik/deutschland/er-prangerte-schwarzgeldgeschaefte-an-psychiater-sehen-mollath-sehr-unterschiedlich_aid_872638.html