Nach Transplantations-Skandal – Werden Privatpatienten bei Organvergabe bevorzugt?

By | April 20, 2014
Womöglich werden Privatversicherte bei der Vergabe von Organen doch bevorzugt – entgegen der Beteuerungen von Ärzten und Bundesregierung. Berechnungen eines Grünen-Gesundheitsexperten legen jedenfalls den Verdacht nahe.
Nach Angaben des Gesundheitsexperten Harald Terpe, die der „Frankfurter Rundschau“ vorlagen, liegt der Anteil der Privatversicherten an allen Transplantationen höher als ihr Anteil auf der Warteliste. So seien 9,7 Prozent der auf eine Leber wartenden Patienten privat versichert gewesen – der Anteil der Privatversicherten an allen Patienten, die 2011 eine neue Leber bekamen, habe jedoch 13,1 Prozent betragen.

Ähnliche Unterschiede gibt es den Berechnungen des Grünen-Politikers zufolge bei der Vergabe von Herzen: Auf der Warteliste stehen 9,5 Prozent Privatversicherte, ihr Anteil bei den transplantierten Organen liegt bei jedoch elf Prozent. Bei den Lungen-Transplantationen stehen 6,9 Prozent Privatversicherte auf der Warteliste – doch 9,5 Prozent Privatversicherte erhielten eine Transplantation.

Einen höheren Anteil von Privatversicherten entdeckte Terpe auch beim sogenannten beschleunigten Verfahren, bei dem die Transplantationszentren unabhängig von der Warteliste selbst Patienten auswählen dürfen, die ein neues Organ bekommen. Terpe forderte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) auf, die Auffälligkeiten aufzuklären: „Die Menschen müssen dem Organspende-System vertrauen können und das Gefühl haben, dass es gerecht zugeht“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“.

Die Transplantationsmedizin in Deutschland war wegen des Verdachts der Manipulation bei der Zuteilung von Organen an Patienten in den Unikliniken in Göttingen und Regensburg in die Kritik geraten. Gegen einen zu den jeweiligen Zeiträumen an den Kliniken arbeitenden Arzt laufen derzeit strafrechtliche Ermittlungen. Als Konsequenz daraus sollen die Kontrollen bei den Organtransplantationen in Deutschland intensiviert werden.

Artikel-Quelle: http://www.focus.de